Das Denkmal

Das Denkmal auf dem Ehrenfriedhof, der Friedhof ist Ruheplatz für 621 Tote, soll an alle Opfer erinnern, die bei dem tragischen Geschehen am 3. Mai 1945 in der Neustädter Bucht den Tod fanden. Da der Steinmetzmeister Höch bereits im März 1947 mitgeteilt hatte, dass mit einer Fertigstellung der gesamten Anlage am Tage der beabsichtigten Einweihung, dem 3. Mai 1947, wegen des langen Winters nicht zu rechnen sei, wurde an diesem Tag lediglich der Grundstein für das Mahnmal gelegt.

Enthüllt wurde das Denkmal dann am 6. Juli 1947. Nach einem Bericht der „Lübecker Freie Presse“ vom 9.7.1947 nahmen etwa 3000 Personen an der Denkmalsenthüllung teil. Für den ehemaligen KZ-Häftling Willi Neurath war das Denkmal ein Mahnmal, damit „wir nie mehr vom Wege der Demokratie abirren mögen.“ Für den Neustädter Bürgermeister Lange war es kein Denkmal der Rache, sondern der Völkerversöhnung.

Das Totenschiff

1950 war ein besonderes Jahr. Das Totenschiff „Thielbek“ wurde geborgen. Die gefundenen Leichenreste von 189 Menschen wurden im Zeitraum von Januar bis Mai 1950 auf dem Ehrenfriedhof bestattet. Eine Gedenkfeier mit etwa 1000 Teilnehmern für die Opfer der „Thielbek“ fand am 4. März 1950 statt. Für die Landesregierung sprach damals Innenminister Käber. Unter der Überschrift „Gedenkstunde am Neustädter Strand“ berichtete die „Kreis Rundschau“ am 5.5.1950: „Aus Anlaß der 5. Wiederkehr des Untergangstages der „Cap Arcona“ am Mittwoch, legten Landrat Dr. Rohwedder und weitere Abordnungen in einer Gedenkstunde Kränze am Cap Arcona-Ehrenmal nieder.“

Staatsakt

Bild von Gedenkfeiern (Zeitpunkt und Teilnehmerkreis nicht bekannt)
Bild von Gedenkfeiern (Zeitpunkt und Teilnehmerkreis nicht bekannt)

Im Mai 1955 gab es mehrere Veranstaltungen, weil auch dem 10. Jahrestag der Befreiung gedacht wurde. Eine große Trauergemeinde fand sich am 3. Mai 1955 auf dem Ehrenfriedhof ein, um an der von der Presse „Staatsakt“ genannten Gedenkfeier der Landesregierung teilzunehmen. Der Ministerpräsident a.D. Lüdemann, ehemaliger KZ-Häftling, bezeichnete es als die höchste Aufgabe der Überlebenden dieses nationalsozialistischen Schreckensregimes, alles daran zu setzen, ähnliche Gewaltsysteme für die Zukunft zu unterbinden.

Am Vormittag des 8. Mai 1955 versammelten sich etwa 500 Menschen auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft ehemals politisch verfolgter Sozialdemokraten zu einer, so die Presse, „eindrucksvollen Demonstration für Freiheit, Recht und Frieden.“ Auch Dr. Simonsohn von der Jüdischen Gemeinde Hamburg sprach auf der Veranstaltung. Sein Appell: An den Stätten der Verfolgung und des großen Leides sei kein Raum für Hass und Rache, doch müsse die Erinnerung an die Millionen Toten wachgehalten werden.

In den Nachmittagsstunden dieses Tages trafen über 1000 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme in Neustadt ein und zogen vom Marktplatz zum Ehrenfriedhof. Ehemalige Häftlinge hatten 1948 die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme gegründet. Daraus entstand 1958 die „Amicale Internationale de Neuengamme“. Ein Ziel der Häftlingsverbände: Ein würdiger Umgang mit dem Andenken der in Neuengamme Ermordeten.

Umgestaltung des Ehrenfriedhofes

Ehrenfriedhof vor der Umgestaltung 1964
Ehrenfriedhof vor der Umgestaltung 1964

Zum 20ten Jahrestag, dem 1965 auch im Landtag gedacht wurde, begannen die Vorbereitungen bereits Ende 1962. Das Land sprach sich für eine Umgestaltung aus, weil der Friedhofcharakter der Anlage nicht erkennbar war und die vor Jahren geschaffene Schutzzone zwischen Campingplatznutzung und Ehrenfriedhof ihren Zweck nicht erfüllte. Hier sollte eine Bepflanzung Abhilfe schaffen. Das Gelände wurde, bis auf Umfassungsmauer und Denkmal, völlig eingeebnet und mit Lavendel, Efeu und Zwergmispel neu gestaltet. Im November 1964 waren die Arbeiten abgeschlossen.
Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am 3. Mai 1965, die aus verschiedenen Ländern Europas gekommen waren, fanden ein völlig verändertes Bild des Ehrenfriedhofes vor. Vor allem durch die Bepflanzung der 30 Meter breiten Schutzzone zum Campingplatz mit schnell wachsenden Bäumen wurde eine wirkungsvolle Kulisse geschaffen.

Erinnerungskultur

Bild von Gedenkfeiern (Zeitpunkt und Teilnehmerkreis nicht bekannt)
Bild von Gedenkfeiern (Zeitpunkt und Teilnehmerkreis nicht bekannt)

Seit Anfang der 1970er-Jahre brachten Überlebende ihre Geschichte und somit die Geschichte der Cap Arcona-Katastrophe zu Papier. Den Anfang machte Rudi Goguel 1972 mit dem Buch „Cap Arcona“. Das Fernsehen (1974 ein Filmportrait des Südwestfunks), eine STERN-Serie von Günther Schwarberg (1982) und auch die örtliche Presse – zumeist um den 3. Mai herum – informierten über die Geschehnisse in Neustadt am 3. Mai 1945. Bundesweit wurde dann 1979 die amerikanische „Holocaust“-Serie im Fernsehen zu einem Auslöser, die nationalsozialistische Vergangenheit und Schuld stärker zu thematisieren. Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme entstand 1981 ein Dokumentenhaus und erst nach Schließung der Strafanstalten, 2006, wurde dort die KZ-Gedenkstätte eröffnet.

Auch in Neustadt wurde eine wichtige Entscheidung getroffen: Die Erarbeitung einer Dokumentation durch Wilhelm Lange. Durch seine Tätigkeit konnte bereits am Cap Arcona- Gedenktag, dem 3. Mai 1985, eine Ausstellung in der damaligen Realschule eröffnet werden. Die von der Stadt organisierte Feierstunde fand deshalb in der Aula dieser Schule statt. Durch einen Koordinierungsausschuss verschiedener Gruppen wurden an diesem Tag Aktionen und Informationsstände auf dem Markt organisiert. Außerdem führten diese Gruppen einen Marsch vom Marktplatz zur Kundgebung am Cap Arcona-Ehrenmal durch.

Das Museum

Am 3. Mai 1990 in der Gedenkstunde am Ehrenmal warnte Ministerpräsident Engholm vor dem Vergessen. Diese Veranstaltung zum 45. Jahrestag war außerordentlich gut besucht. Nach der Rede des Ministerpräsidenten kam Bogdan Suchowiak als Überlebender zu Wort. „Wir danken für die Pflege und Ehrung der Ehrenmäler“, sagte er und brachte seine Genugtuung zum Ausdruck, dass nicht nur „unsere Generation, sondern auch viele Jugendliche hier sind.“

Die Lübecker Nachrichten berichteten am 5. Mai 1990 dann noch das Folgende über das Cap Arcona-Museum am Kremper Tor: „Der Museumsanbau konnte zwar aufgrund von baulichen Verzögerungen und Mittelkürzungen nicht wie zunächst geplant an diesem Gedenktag offiziell eingeweiht werden, aber die Arbeiten waren doch zumindest so weit fortgeschritten, daß die ständige Ausstellung „Cap Arcona“ aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Die Delegationen waren angesichts der Exponate und ihrer Erinnerungen sehr ergriffen, registrierte Stadtarchivar Lange.“

Die Baumkulisse

Der Neubau der Schön Klinik Neustadt wurde im Mai 1995 in Betrieb genommen. Anfang 1995 hatte das Klinikum den Wunsch auf Umgestaltung der Baumkulisse an die Stadt herangetragen. Es ging um eine ungehinderte Sichtbeziehung zur Ostsee. Der Umweltausschuss beschloss im Januar 1995 – mit vier gegen drei Stimmen – den Ehrenfriedhof möglichst hoch, dicht und grün vom Klinikum abzuschirmen. Die Diskussion ging aber weiter. „Streit um alte Pappeln ausgerechnet zum 50. Jahrestag der Cap Arcona- Katastrophe“ titelte die Lübecker Nachrichten in einem Bericht über das Thema.

Am 3. Mai 1995 fand die Internationale Gedenkveranstaltung aber vor der gewohnten Baumkulisse statt. Auf dieser Gedenkveranstaltung sprach die Ministerpräsidentin Heide Simonis.
Die geplante Umgestaltung der Baumkulisse wurde am 13.8.1996 durch das Landesamt für Denkmalpflege gestoppt, da der Ehrenfriedhof unter Denkmalschutz steht. Der letzte Satz im Bescheid der Behörde: „Angesichts des entsetzlichen geschichtlichen Hintergrundes sollte man gerade von der Stadt Neustadt einen respektvolleren Umgang mit diesem Ehrenfriedhof erwarten.“

Zukunft des Cap Arcona-Gedenkens

Im Juni 2015 regte der Hauptausschuss der Neustadt in Holstein durch eine Willensbekundung die Erarbeitung eines neues Museumskonzeptes an. Über Jahre wurde unter der Federführung der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinischer Gedenkstätten in mehreren überregionalen Workshops über das Thema gesprochen. Es wurde kein realisierbarer authentischer Ort für einen Museumsneubau gefunden und auch die wichtige Frage der Trägerschaft eines Neubaus war nicht zu klären.
Nachdem das Land 300.000 Euro für die Neugestaltung der Ausstellung bereitstellte, hat die Stadtverordnetenversammlung am 5.3.2020 einstimmig eine Zwischenlösung im Raum 20. Jahrhundert des zeiTTor-Museums beschlossen.