Grußwort der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme zum Gedenken am 3. Mai in Neustadt

Seit 75 Jahren gedenken Überlebende und Angehörige hier in Neustadt und auf den anderen Ehrenfriedhöfen der Lübecker Bucht der Toten der Häftlingsschiffe Cap Arcona und Thielbeck, der auf dem Todesmarsch von Neuengamme Ermordeten sowie auch der Opfer, die Todesmärsche der KZ Stutthof und Auschwitz-Fürstengrube am 3. Mai nach Neustadt geführt hatten. Dieses Gedenken findet zum 76. Mal statt, denn es wurde schon unmittelbar nach der Katastrophe vom britischen Militär durchgeführt. Heute steht das Gedenken hier in Neustadt neben den zentralen Gedenkfeiern in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und es wird von zahlreichen Institutionen getragen.
Im Jahr 1948 wurde der Ehrenfriedhof in Timmendorfer Strand unter Beteiligung zahlreicher Überlebendenverbände eingeweiht. Der Überlebende der Cap Arcona Rudi Goguel hielt folgende Episode fest. Er beschreibt einen Umzug, eine Demonstration, die zum Strand führte, von wo aus man 1948 noch das Wrack der Cap Arcona liegen sah:

„Erstaunt und interessiert betrachteten die neureichen Kurgäste die merkwürdige Prozession, die sich vom Friedhof zum Strand bewegte. Sie unterdrückten ein leises Lächeln, als sie die Transparente entzifferten, die jene mit sich führten: „Gegen den Antisemitismus“ - „Für einen gerechten Frieden“ - „Für Freiheit und Demokratie“... warum sollten sie nicht erstaunt sein über solche seltenen Volksgenossen, die sich um der „Freiheit“, um der „Gerechtigkeit“ und ähnlicher romantischer Hirngespinste willen einsperren und schinden ließen?“

Mit kaum verändertem Text könnte man heute diese Transparente reaktivieren. Zum Beispiel weisen der Anschlag von Halle 2019 oder frühere Schändungen des jüdischen Friedhofes in Neustadt auf die aktuelle Notwendigkeit hin, den Antisemitismus zu bekämpfen. Und Frieden, Freiheit und Demokratie sind bedroht, zum Beispiel durch eine Partei, die ihre Menschenverachtung als „Alternative“ bewirbt.
Es ist erfreulich, dass das Gedenken an die toten KZ-Häftlinge nicht nur an den Jahrestagen statt findet, sondern durch Veranstaltungen vor allem der Schulen in Neustadt und umliegenden Gemeinden getragen wird. Wir, die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V., möchten dazu beitragen, indem wir in den nächsten Jahren vor allem die Begegnung mit Angehörigen der Opfer verstärken.

Grußwort der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme zum Gedenken am 3. Mai in Neustadt

Thomas Käpernick,

2. Vorsitzender